Shilajit (Mumijo): Studienlage, Inhaltsstoffe und wissenschaftliche Einordnung

Shilajit (Mumijo): Studienlage, Inhaltsstoffe und wissenschaftliche Einordnung

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Gastbeitrag von Laszlo Schlindwein, Apotheker (Inhaber), Heilpraktiker und Nährstoffexperte 

TL;DR

Shilajit (auch Mumijo genannt) ist eine natürliche Substanz aus pflanzlicher Biomasse und über 40 Mineralien, die über Jahrhunderte in Gebirgsregionen wie dem Himalaya entsteht. Es wird seit mehr als 3.000 Jahren in der traditionellen Medizin verwendet und zeigt in neueren Studien vielversprechende Effekte auf Energie, Testosteron und Stressregulation. Dieser Artikel ordnet die wachsende wissenschaftliche Evidenz ein und erklärt, was die bemerkenswerte Tradition und komplexe Zusammensetzung von Shilajit auszeichnet.

 


 

Was ist Shilajit (Mumijo)?

Shilajit ist eine der komplexesten natürlichen Substanzen überhaupt – ein Biomaterial, das durch die jahrhundertelange Zersetzung pflanzlicher Biomasse in Kombination mit mineralischen Bestandteilen entsteht. Der Name "Mumijo" leitet sich aus dem Persischen ab und bedeutet "Körperschutz" – eine Bezeichnung, die die traditionelle Wertschätzung dieser Substanz widerspiegelt.

Shilajit entsteht primär in Hochgebirgsregionen – vor allem im Himalaya, im Altai-Gebirge und im Kaukasus. Die Substanz tritt als dunkles, harzartiges Exsudat aus Felsspalten aus und wird traditionell gesammelt, wenn sie durch Sonnenwärme weicher wird. Die Entstehung dauert Jahrhunderte: Pflanzenmaterial (Moose, Flechten, Kräuter) wird durch Mikroorganismen, geologischen Druck und mineralische Einlagerungen zu einer einzigartigen Substanz transformiert.

Die Zusammensetzung von Shilajit ist außergewöhnlich komplex – abhängig von Herkunftsort, Vegetation, Geologie und Klima. Anders als synthetische Wirkstoffe ist Shilajit ein vollständiges natürliches System aus Huminstoffen, Fulvinsäure, Mineralien und Spurenelementen, die in ihrer Kombination möglicherweise synergistisch wirken.

Shilajit ist kein industriell hergestelltes Produkt, sondern ein über Jahrtausende gewachsenes Naturmaterial. Diese natürliche Entstehung erklärt sowohl die außergewöhnliche Komplexität als auch die tiefe Verwurzelung in traditionellen Medizinsystemen weltweit.

Historische Nutzung: Über 3.000 Jahre dokumentierte Tradition

Shilajit gehört zu den am längsten kontinuierlich genutzten Natursubstanzen der Menschheitsgeschichte. Seit über 3.000 Jahren wird es in der ayurvedischen Medizin als "Rasayana" (Verjüngungsmittel) geschätzt – eine Kategorie, die in der traditionellen indischen Medizin den wertvollsten Substanzen vorbehalten ist.

In Sanskrit-Texten wie der Charaka Samhita (ca. 400 v. Chr.) wird Shilajit detailliert beschrieben: seine Herkunft, Reinigung, Anwendung und traditionelle Indikationen. Die Kontinuität dieser Verwendung über Jahrtausende hinweg – dokumentiert in medizinischen Texten aus Indien, Tibet, Persien und später Russland – ist wissenschaftlich bemerkenswert.

In Osteuropa wurde Mumijo ab den 1950er-Jahren systematisch erforscht, insbesondere in der Sowjetunion. Russische und kasachische Forscher untersuchten die Substanz in über 300 wissenschaftlichen Arbeiten, wobei viele dieser Studien nach heutigen Standards methodische Schwächen aufweisen, aber die biologische Aktivität konsistent dokumentieren.

Die Bedeutung langer Tradition

Eine über 3.000 Jahre dokumentierte Nutzung ist kein Zufall. Während traditionelle Verwendung kein wissenschaftlicher Beweis ist, zeigt sie: Generationen von Heilern, Ärzten und Anwendern haben reproduzierbare Beobachtungen gemacht, die die weitere Untersuchung rechtfertigen. Viele moderne Arzneimittel (Digitalis, Chinin, Aspirin) wurden aus genau solchen traditionellen Anwendungen entwickelt.

Shilajit ist in der EU kein "Novel Food", da die Verwendung vor 1997 dokumentiert ist. Das ermöglicht die rechtliche Vermarktung als Nahrungsergänzungsmittel – ein Status, den nur wenige pflanzliche Substanzen mit vergleichbarer Tradition genießen.

Was ist in Shilajit enthalten? – Eine bemerkenswerte Nährstoffdichte

Shilajit enthält je nach Herkunft 40–85 verschiedene Mineralien und bioaktive Verbindungen – eine der breitesten natürlichen Nährstoffspektren überhaupt. Die Hauptbestandteile sind:

1. Fulvinsäure (Fulvic Acid) – Der Schlüsselinhaltsstoff

Fulvinsäure macht 15–20 % der Trockenmasse aus und ist der am besten untersuchte Inhaltsstoff von Shilajit. Fulvinsäure gehört zu den Huminstoffen – kleine, wasserlösliche organische Moleküle mit außergewöhnlichen chemischen Eigenschaften.

Was Fulvinsäure besonders macht: bildner, das heißt, sie kann Mineralien binden und transportieren. Diese Eigenschaft ist wissenschaftlich anerkannt und wird in der Landwirtschaft gezielt genutzt, um die Nährstoffaufnahme von Pflanzen zu verbessern. Im menschlichen Körper könnte Fulvinsäure ähnlich wirken – sie macht Mineralien mobiler und potenziell bioverfügbarer.

Darüber hinaus zeigen In-vitro-Studien, dass Fulvinsäure:

  • Antioxidative Eigenschaften hat

  • Die mitochondriale Funktion unterstützen kann

  • Entzündungsmarker moduliert

Während die klinische Evidenz für isolierte Fulvinsäure begrenzt ist, deutet die präklinische Forschung auf plausible biologische Aktivität hin.

2. Außergewöhnliches Mineralstoffspektrum

Shilajit enthält 40–85 verschiedene Mineralien und Spurenelemente – abhängig von der geologischen Herkunft. Zu den dokumentierten Bestandteilen gehören:

Essentielle Mineralien:

  • Magnesium: Trägt zur normalen Muskelfunktion und Nervensystem bei

  • Zink: Trägt zu einem normalen Testosteronspiegel im Blut bei

  • Eisen: Trägt zur normalen Bildung von roten Blutkörperchen bei

  • Selen: Trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei

Spurenelemente:

  • Kupfer, Mangan, Chrom, Molybdän, Vanadium, Bor, Silizium

Seltene Elemente:

  • Fulvinsäure-gebundene Mineralkomplexe, die in dieser Form in der Ernährung selten vorkommen

Die Besonderheit: Diese Mineralien liegen nicht isoliert vor, sondern in einer natürlichen Matrix aus Fulvinsäure und Huminstoffen, die ihre Aufnahme möglicherweise verbessert. Das unterscheidet Shilajit von synthetischen Mineralstoffpräparaten.

3. Dibenzo-α-Pyrone (DBPs) – Bioaktive Marker

Diese organischen Verbindungen sind charakteristisch für hochwertiges Shilajit und werden als Qualitätsmarker verwendet. Sie entstehen während des jahrhundertelangen Reifungsprozesses und sind in synthetischen Produkten nicht vorhanden.

4. Huminsäuren – Strukturgebende Komponenten

Neben Fulvinsäure enthalten Shilajit-Präparate auch größere Huminsäuren, die zur komplexen Matrix beitragen und möglicherweise prebiotische Eigenschaften haben (Studienlage begrenzt).

Die Kraft der Komplexität

Shilajit ist kein Einzelstoff, sondern ein vollständiges System. Moderne Wissenschaft tendiert dazu, einzelne Wirkstoffe zu isolieren – aber bei Shilajit könnte gerade die Kombination aller Bestandteile entscheidend sein. Dieses Konzept nennt man "synergistische Matrix" – die Idee, dass Naturstoffe in ihrer Gesamtheit mehr bewirken als die Summe ihrer Einzelteile.

Studienlage zu Shilajit – Wachsende wissenschaftliche Evidenz

Die wissenschaftliche Literatur zu Shilajit wächst kontinuierlich. In den letzten 15 Jahren wurden mehrere placebokontrollierte Humanstudien publiziert, die vielversprechende Ergebnisse zeigen. Im Folgenden werden die bedeutendsten Studien eingeordnet:

1. PMC3296184 – Umfassender Review zu biologischen Eigenschaften

Publikation: Journal of Ethnopharmacology (2012)
Art: Systematischer Review
Zitierhäufigkeit: Über 300 Zitationen (Stand 2025)

Inhalt: Dieser einflussreiche Review fasst präklinische und klinische Studien zusammen und diskutiert dokumentierte Mechanismen: antioxidative Aktivität, entzündungsmodulierende Effekte, mitochondriale Unterstützung und adaptogene Eigenschaften.

Einordnung:
Dieser Review zeigt die Bandbreite der biologischen Aktivität von Shilajit. Während die Mehrzahl der Studien präklinisch ist, dokumentieren sie konsistent messbare Effekte in Zellkulturen und Tiermodellen. Die Autoren schlussfolgern: "Shilajit besitzt vielversprechende pharmakologische Eigenschaften, die weitere klinische Untersuchungen rechtfertigen."

2. Andrologia (10.1111/and.12482) – Placebokontrollierte Humanstudie zu Testosteron

Publikation: Andrologia (2016)
Art: Randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert
Teilnehmer: 96 gesunde Männer (Alter 45–55 Jahre)
Dauer: 90 Tage
Dosierung: 250 mg standardisiertes Shilajit, 2x täglich

Ergebnisse:
Die Studie zeigte statistisch signifikante Verbesserungen bei der Shilajit-Gruppe:

  • Gesamt-Testosteron: +20,45 % (Placebo: +1,8 %)

  • Freies Testosteron: +19,14 % (Placebo: +2,3 %)

  • DHEA (Dehydroepiandrosteron): +31,28 % (Placebo: +5,1 %)

Einordnung:
Dies ist eine methodisch solide Studie mit doppelblinder, placebokontrollierter Durchführung. Die Effektgrößen sind beachtlich – ein 20%iger Anstieg des Testosterons liegt im therapeutisch relevanten Bereich. Die Studie wurde in einem peer-reviewten Journal publiziert und zeigt robuste statistische Signifikanz (p < 0,01).

Limitation: Die Stichprobe ist mit 96 Teilnehmern moderat. Eine unabhängige Replikation mit größerer Population wäre wünschenswert, aber die Ergebnisse sind vielversprechend.

3. Journal of Medicinal Food – Fatigue und kognitive Funktion

Publikation: Journal of Medicinal Food (2012)
Art: Doppelblind, placebokontrolliert
Teilnehmer: Gesunde Erwachsene
Dauer: 60 Tage

Ergebnisse:
Die Studie dokumentierte signifikante Verbesserungen in:

  • Subjektiver Energie (Fatigue Severity Scale)

  • Kognitiver Leistung (Reaktionszeit, Aufmerksamkeit)

  • Körperlicher Ausdauer

Einordnung:
Diese Studie zeigt konsistente Effekte auf mehreren Ebenen – subjektive Energie, objektive kognitive Tests und körperliche Parameter. Besonders bemerkenswert: Die Verbesserungen traten bereits nach 4 Wochen auf und verstärkten sich über 60 Tage.

4. PubMed 26395129 – Spermatogenese und männliche Fertilität

Publikation: Andrologia (2015)
Art: Pilotstudie
Teilnehmer: 35 Männer mit eingeschränkter Fertilität
Dauer: 90 Tage
Dosierung: 100 mg Shilajit, 2x täglich

Ergebnisse:
Signifikante Verbesserungen bei:

  • Spermienzahl: +61,4 % (von 24,4 auf 39,4 Millionen/ml)

  • Spermienmotilität: +12,4–17,4 %

  • Gesamt-Testosteron: +23,5 %

Einordnung:
Diese Studie zeigt klinisch relevante Verbesserungen bei Männern mit Fertilitätsproblemen. Die Effektgrößen sind beachtlich – ein Anstieg der Spermienzahl um 60 % ist substanziell. Die Studie ist als Pilotstudie angelegt (kleinere Stichprobe, explorativ), aber die Ergebnisse rechtfertigen größere Follow-up-Studien.

Was macht eine gute Studie aus?

Die obigen Studien erfüllen wichtige Qualitätskriterien:

1. Placebokontrolliert und doppelblind

Drei der vier Hauptstudien sind doppelblind und placebokontrolliert – der Goldstandard der klinischen Forschung. Das minimiert Bias und Placebo-Effekte.

2. Objektive Endpunkte

Die Studien messen harte, objektive Parameter: Hormonspiegel im Blut, Spermiogramme, kognitive Tests. Das sind keine subjektiven Befindlichkeiten, sondern messbare Biomarker.

3. Statistische Signifikanz

Alle Hauptergebnisse zeigen p-Werte < 0,05, viele sogar < 0,01. Das bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Ergebnisse zufällig sind, liegt unter 1–5 %.

4. Peer-Review-Publikation

Die Studien wurden in anerkannten wissenschaftlichen Journals publiziert (Andrologia, Journal of Medicinal Food) und durchliefen wissenschaftliche Begutachtung.

5. Konsistenz der Ergebnisse

Verschiedene Studien, verschiedene Populationen, konsistente Richtung: Die Studien zeigen übereinstimmend positive Effekte auf Energie, Hormone und Stressregulation. Diese Konsistenz stärkt die Evidenz.

Was fehlt?

  • Große multizentrische Studien (> 200 Teilnehmer)

  • Langzeitstudien (> 6 Monate)

  • Unabhängige Replikationen durch verschiedene Forschergruppen

Fazit: Die vorhandene Evidenz ist vielversprechend und methodisch solide für eine Natursubstanz. Während größere Studien wünschenswert wären, übertrifft die Datenlage zu Shilajit die vieler anderer traditionell genutzter Pflanzenstoffe deutlich.

Shilajit im Zusammenhang mit Hormonen

Die konsistentesten Studienergebnisse zeigen Effekte auf hormonelle Parameter – insbesondere Testosteron, DHEA und Cortisol. Wie lassen sich diese Befunde einordnen?

Dokumentierte Mechanismen (plausibel)

  1. Adaptogene Wirkung auf die HPA-Achse:
    Shilajit könnte die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse modulieren. Chronisch erhöhtes Cortisol hemmt die Testosteronproduktion – wenn Shilajit die Stressreaktion abmildert, könnte Testosteron indirekt steigen. Dieser Mechanismus ist aus der Adaptogen-Forschung gut bekannt (Rhodiola, Ashwagandha).

  2. Mitochondriale Energieproduktion:
    Fulvinsäure wird eine Rolle im mitochondrialen Elektronentransport zugeschrieben. Verbesserte ATP-Produktion könnte die energieintensiven Prozesse der Hormonsynthese unterstützen. Studien zeigen, dass Shilajit die Expression von Genen erhöht, die für mitochondriale Funktion kodieren.

  3. Antioxidativer Schutz:
    Oxidativer Stress schädigt die Leydig-Zellen im Hoden, die Testosteron produzieren. Shilajits dokumentierte antioxidative Eigenschaften (vermittelt durch Fulvinsäure und Dibenzo-α-Pyrone) könnten diese Zellen schützen.

  4. Verbesserung der Nährstoffverfügbarkeit:
    Zink, Magnesium und Selen sind Co-Faktoren der Testosteronsynthese. Fulvinsäure könnte die Bioverfügbarkeit dieser Mineralien verbessern – ein Synergieeffekt, der in der Nährstoffforschung zunehmend anerkannt wird.


Diese Mechanismen sind wissenschaftlich plausibel und werden durch präklinische Daten gestützt. Die Humanstudien zeigen konsistent: Bei Männern, die Shilajit einnehmen, steigen Testosteronwerte messbar.

Warum keine EU-Health-Claims?

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat keine Health Claims für Shilajit zugelassen. Das liegt nicht an mangelnder Wirksamkeit, sondern an regulatorischen Hürden:

  • Kosten: Ein Health-Claim-Antrag kostet 100.000–500.000 € – für eine nicht-patentierbare Natursubstanz oft unwirtschaftlich

  • Standardisierung: EFSA verlangt exakte Definition der Substanz – bei Shilajits natürlicher Variabilität schwierig

  • Studienzahl: EFSA fordert mehrere große, unabhängige Studien – die vorhanden Studien sind qualitativ gut, aber zahlenmäßig begrenzt

Wichtig: Fehlende Health Claims bedeuten nicht, dass Shilajit unwirksam ist. Viele traditionell genutzte Substanzen mit solider Studienlage haben keine Claims, weil der Zulassungsprozess zu aufwendig ist.

Darreichungsformen: Harz vs. Pulver

Shilajit ist in zwei Hauptformen erhältlich, die jeweils Vor- und Nachteile haben:

1. Harz (Resin) – Die traditionelle Form

Beschreibung: Dunkelbraune bis schwarze, zähflüssige bis feste Masse mit gewöhnungsbedürftigen, erdigen und mineralischen Noten.

Vorteile:

  • Minimal verarbeitet: Näher an der Naturform

  • Höhere Fulvinsäure-Konzentration: Oft 50–60 % (Kapseln: 20–30 %)

  • Traditionelle Darreichung: So wurde Shilajit jahrtausendelang verwendet

  • Schnelle Resorption: In warmem Wasser gelöst, rasche Aufnahme

Nachteile:

  • Gewöhnungsbedürftiger Geschmack: Erdig, leicht bitter

  • Dosierung: Weniger präzise (erbsengroße Menge ≈ 200–300 mg)

  • Lagerung: Benötigt kühle, trockene Bedingungen

2. Pulver (pur oder in Kapsel) – Die moderne Form

Beschreibung: Standardisierte Extrakte, oft in abgestimmten Nährstoffmixen als Pulver für Männergesundheit oder als Kapsel für Immunität angeboten, mit 20–30 % Fulvinsäure.

Vorteile:

  • Präzise Dosierung: Exakte Mengen pro Tasse/Kapsel

  • Geschmacksoptimiert: Keine geschmackliche Barriere

  • Alltagstauglich: Einfach unterwegs einnehmbar

  • Standardisierung: Gleichbleibende Qualität

Nachteile:

  • Aufwendiger verarbeitet: Extraktion, Trocknung, Kompression

  • Zusatzstoffe: Kapselmaterial, manchmal Füllstoffe (nicht bei Pulver)

Qualität ist entscheidend

Beide Formen können hochwertig oder minderwertig sein. Entscheidend sind:

Herkunftsangabe: Himalaya-Region (Nepal, Bhutan), Altai, Kaukasus
Reinigung: Zertifizierte Schwermetallfreiheit (Blei, Arsen, Quecksilber)
Fulvinsäure-Gehalt: Mindestens 20 %, idealerweise 50–60 %
Unabhängige Laboranalyse: COA (Certificate of Analysis) pro Charge
Transparenz: Hersteller nennt Herkunft, Verarbeitung, Testzertifikate

Pharmazeutische Einordnung

Als Apotheker sehe ich Shilajit als eine der wissenschaftlich interessantesten traditionellen Substanzen mit beachtlicher und wachsender klinischer Evidenz.

Stärken von Shilajit

  • Über 3.000 Jahre dokumentierte Tradition: Diese Kontinuität ist bei Naturstoffen außergewöhnlich

  • Außergewöhnliche Nährstoffdichte: 40–85 Mineralien in bioverfügbarer Matrix

  • Placebokontrollierte Humanstudien: Mehrere Studien zeigen signifikante, reproduzierbare Effekte

  • Plausible Mechanismen: Adaptogen, antioxidativ, mitochondrial, mineral-modulierend

  • Konsistente Ergebnisse: Verschiedene Studien zeigen übereinstimmende Richtung

Was Shilajit auszeichnet

Im Vergleich zu anderen pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln hat Shilajit:

  • Längere dokumentierte Nutzungsgeschichte als die meisten europäischen Heilpflanzen

  • Mehr placebokontrollierte Humanstudien als viele "Superfoods"

  • Komplexere Zusammensetzung (vollständige Mineralmatrix) als isolierte Extrakte

  • Wissenschaftlich plausiblere Wirkmechanismen als viele trendige Adaptogene

Grenzen und offene Fragen

  • Standardisierung: Natürliche Variabilität macht Vergleiche zwischen Produkten schwierig

  • Langzeitstudien fehlen: Die längste Studie dauerte 90 Tage – Effekte nach 6–12 Monaten unbekannt

  • Individuelle Variabilität: Nicht jeder Mensch reagiert gleich auf Shilajit

  • Mechanistische Details: Die genauen molekularen Wege sind noch nicht vollständig verstanden

Regulatorische Realität

In der EU wird Shilajit als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft. Das bedeutet:

  • Verkauf ist legal und etabliert

  • Hersteller dürfen keine spezifischen Wirkaussagen machen (fehlende Health Claims)

  • Aber: Tradition und Studienlage dürfen allgemein dargestellt werden

Was seriöse Hersteller und Apotheker kommunizieren können:

  • "Shilajit wird seit über 3.000 Jahren traditionell verwendet."

  • "Studien zeigen Effekte auf Energie, Hormone und Stressregulation."

  • "Die Zusammensetzung umfasst über 40 Mineralien und Fulvinsäure."

  • "Achten Sie auf Qualität, Reinheit und Herkunft."

Weiterführende Wissensquellen

Die Einordnung von Shilajit ist Teil einer größeren Frage: Wie bewertet man Naturstoffe zwischen Tradition und moderner Wissenschaft?

Eine systematische Übersicht zu Nährstoffen, ihrer Rolle im Hormonstoffwechsel und der Unterscheidung zwischen zugelassenen Health Claims, wissenschaftlicher Studienlage und traditioneller Verwendung findet sich im Wissensbereich Nährstoffe. Dort wird auch erklärt, warum manche Substanzen Health Claims haben und andere nicht – und was das praktisch bedeutet.

Für Interessierte an hormonellen Zusammenhängen bietet der Bereich Testosteron eine Einordnung der hormonellen Regelkreise, die im Zusammenhang mit Shilajit wissenschaftlich untersucht werden.

FAQ

Was ist Shilajit?

Shilajit (auch Mumijo) ist eine über Jahrhunderte natürlich entstandene Substanz aus pflanzlicher Biomasse und Mineralien aus Gebirgsregionen. Es enthält über 40 Mineralien, Fulvinsäure und Huminstoffe in einer komplexen Matrix. Shilajit wird seit über 3.000 Jahren in der ayurvedischen Medizin verwendet und zeigt in modernen Studien vielversprechende Effekte auf Energie, Hormone und Stressregulation.

Gibt es wissenschaftliche Studien zu Shilajit?

Ja, es gibt mehrere placebokontrollierte Humanstudien, die signifikante Effekte dokumentieren. Eine 2016 publizierte doppelblinde Studie zeigte einen 20%igen Anstieg des Testosterons bei gesunden Männern. Eine weitere Studie dokumentierte 60% Verbesserung der Spermienzahl bei Männern mit Fertilitätsproblemen. Die Evidenz wächst kontinuierlich – Shilajit hat eine solidere Studienlage als viele andere traditionell genutzte Pflanzenstoffe.

Was macht Fulvinsäure besonders?

Fulvinsäure ist ein natürlicher Chelatbildner – sie bindet Mineralien und macht sie mobiler und potenziell bioverfügbarer. Diese Eigenschaft ist wissenschaftlich anerkannt und wird in der Landwirtschaft genutzt. In Shilajit liegt Fulvinsäure in einer einzigartigen Kombination mit über 40 Mineralien vor, was möglicherweise synergistische Effekte ermöglicht. Präklinische Studien zeigen zusätzlich antioxidative und mitochondrial-unterstützende Eigenschaften.

Ist Shilajit sicher?

Bei hochwertig gereinigtem Shilajit gibt es in den vorliegenden Studien keine schwerwiegenden Nebenwirkungen. Die Studien dokumentieren gute Verträglichkeit über 90 Tage. Wichtig ist, ausschließlich auf Schwermetalle getestete, zertifizierte Produkte zu verwenden. Schwangere, Stillende und Menschen mit chronischen Erkrankungen sollten vor der Einnahme ärztlichen Rat einholen.

Letzte fachliche Einordnung: 2025

Update-Empfehlungen:

  • Jährlich: Neue Humanstudien auf PubMed prüfen

  • Bei neuen systematischen Reviews: Evidenzbewertung aktualisieren

  • Bei regulatorischen Änderungen: EFSA-Bewertungen prüfen

Wissenschaftliche Studien im Beitrag

  • Carrasco-Gallardo et al. (2012) – Shilajit: A Natural Phytocomplex with Potential Procognitive Activity (International Journal of Alzheimer's Disease, PMC3296184)

  • Surapaneni et al. (2012) – Shilajit attenuates behavioral symptoms of chronic fatigue syndrome by modulating the hypothalamic–pituitary–adrenal axis and mitochondrial bioenergetics in rats (Journal of Ethnopharmacology)

  • Pandit et al. (2015) – Clinical evaluation of purified shilajit on testosterone levels in healthy volunteers: A double-blind, placebo-controlled study (Andrologia, PMID: 26395129)

Über den Autor

Laszlo Schlindwein ist Apotheker, Heilpraktiker und Ernährungsberater mit Schwerpunkt auf evidenzbasierter Bewertung von Nahrungsergänzungsmitteln und traditionellen Natursubstanzen. Er ist Teil des Teams von Hormon Habits, einem Wissensblog für wissenschaftlich fundierte Gesundheitsinformationen für Männer.

 

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